
Toskana 22.07. – 15.08.2020
Sicherlich fragen sich hier Einige, warum schon wieder Italien und dann auch wieder auf dem gleichen Platz in der Toskana, auf dem wir uns schon Jahr immer wieder bewegen. Wir hatten eine ganze Weile überlegt und durch Corona war ja nun alles nicht so leicht und wir wussten, dass unser Campingplatz sehr gut, ordentlich und sauber geführt wird und auch einen hohen Anspruch an Hygiene hat. Desweiteren kennen wir uns hier aus, haben u.a. Freunde mit Familienanschluss und sollte es ganz dicke kommen, wissen wir, wo man ärztlich versorgt wird oder man im Zweifel innerhalb von 7 – 10 Std. (je nach Verkehr) wieder zu Hause in München ist, falls es doch wieder in einen härterer Lockdown gegangen wäre.
Wer uns kennt, weiss, dass wir immer gesagt haben, dass, so sehr wir dieses Platz auch lieben, wir auf keinen Fall, nie und nimmer, in der Hauptsaison (Juli/August) auf diesem Platz sein wollten, denn auch hier hält im Sommer die typisch italienisch lautstarke Animation Einzug, der Platz ist immer komplett ausgebucht und es hat nicht wirklich etwas mit dem Campen zu tun, wie wir es mögen: Leben in und mit der Natur.
So hatten wir nun die Wahl, entweder zu Hause in München bleiben, da ja auch in Deutschland durch die Pandemie die Meisten im Land geblieben waren und somit alles ausgebucht war oder wir verbrachten den Sommer am Meer. Und nachdem coronabedingt auch nur eine 70prozentige Auslastung des Platzes gestattet und das Animationsprogramm heruntergefahren wurde, wagten wir den Sprung in den italienischen Sommer am Meer.
Ich kann jetzt schon einmal sagen, es war wirklich verhältnismässig entspannt, da eben nur zu 70 % belegt, aber heiss, heisser, am heissesten. Noch so ein Punkt, warum wir uns in den letzten beiden Jahren im Norden Europas aufhielten.
Aber kommen wir zur Anreise. Wir wollten nicht durchfahren und ersteinmal sehen, wie weit wir Lust hatten und während der Fahrt suchte ich uns dann ganz spontan einen Stellplatz in Sass0 Marconi auf dem „Area Costa Camper – Cà Vecchia“ raus und kamen dort um 18 Uhr an. Sehr sauber, im Grünen gelegen und gehört zu einem kleinen Eventhotel mit Ristorante. Kosten pro Nacht 15 Euro, ohne Sanitäranlagen oder Dusche, eben Stellplatz. Wobei man durchaus auch im Hotel (solang es offen hat) das WC benutzen kann. Aber wir hatten ja alles im LJ dabei und es war ja auch nur für diese eine Nacht. Zu dem Ristorante können wir nichts sagen, da wir ja lecker Nussbrot hatten und noch Trüffelsalami, Gürkchen und Bier.
Nachdem es auf der Fahrt durch Österreich viel geregnet hatte und kühler wurde, war es hier im Gegensatz extrem schwül-heiss, sodass man unbedingt mit offenen Fenstern schlafen musste und es somit leider auch eine recht unruhige Nacht wurde. Am Abend spazierten wir noch etwas in der näheren Umgebung und gingen recht früh „schlafen“.
Ich habe bis 0.30 Uhr gelesen und dann wieder von 2 – 3 Uhr und unsere Nachbarn waren so nett, morgen um 5 Uhr lautstark ihr Wohnmobil abfahrtbereit zu machen, Tische und Stühle usw. zusammenpackten und man dazu hörte man leider die nahe gelegene Autobahn. Ansonsten wäre es ein nettes Plätzchen.
Egal. 7.15 Uhr brachen wir dann auf nach Marina di Bibbona – tolles Wetter und tolle Bilder, die an uns vorbeizogen.
Ankunft 10.15 Uhr. Haben total nette Nachbarn – Nina, Frank mit ihren Söhnen Nick und Ben. Vielen Dank an Euch schon einmal, für die schöne Zeit.
An diesem Tag passierte nicht mehr viel, LJ in Position bringen
und wir packten nur unsere Räder aus, um durch „MEINEN“ Wald (oh wie hab ich ihn vermisst) nach Cecina mare zu fahren, um ein Eis bei Ricardo in unserer Lieblings-Gelateria „Chloe“ (oh, wie haben wir auch diese vermisst) zu essen.
Über unsere Ausflüge muss ich hier eigentlich nicht mehr so viel schreiben, da es ja schon den einen oder anderen Beitrag in diesem Blog hierzu gab.
Nur soviel sei gesagt, dass wir u.a. mit Nina, Frank, Ben und Nick (sie hatten sie E-Bikes gemietet) eine kleine Radtour machten und ihnen etwas die Gegend zeigten. Und nachdem wir uns ja hier sehr gut auskennen, wussten wir auch, wo wir einkehren konnten, um unseren Durst zu stillen. Wie gesagt es war sehr heiss und so sorgten wir für Erheiterung, als wir in einem unserer Lieblingslokale, dem „Locanda dell’Aioncino“ ankamen und sofort 10 Flaschen Wasser orderten. Die Bedienung, die Micha und mich ja bereits kannte, fragte mehrfach nach, ob sie es richtig verstanden hatte und kam mit der „Wasserlieferung“ gar nicht nach – wie die wildgewordenen Wasserbüffel ;-))))
Dies war allerdings nicht der heisseste Tag, denn es ging noch heisser, bei 36/38 Grad im Schatten fiel uns ein, eine Radtour über ca. 70 km und mehr als 650 Höhenmeter nach Sassetta zu machen. Aber es war so toll.
Auf dem Rückweg, auf der Strada del vino, zwischen Castagneto Carducci und Bolgheri, befindet sich das „Bolgheri Green“. Ein vegetarisches Restaurant, welches nur in der Saison betrieben wir und nachdem wir meist ausserhalb der Saison hier waren, hatten wir leider noch nie das Glück, es geöffnet zu erleben. Aber an dem Tag – Bingo – unsere Belohnung. Das Restaurant befindet sich eigentlich nur im Aussenbereich, ist sehr natürlich, romantisch gehalten und wenn man will, kann man sich auf einem der Plätze am Boden nieder lassen. Wir entschieden uns allerdings für ein schattigeres Plätzchen unter Weinreben und liessen uns das lecker Essen aus regionalen Produkten und ein sehr gutes Gläschen Rosé schmecken. Unsere Kleidung klebte am Körper und wir waren uns nicht sicher, ob wir sie je wieder aus bekamen, aber wir waren absolut glücklich. Und nachdem wir die einzigen Gäste waren (dies war der nachmittäglichen Uhrzeit geschuldet) hatten wir auch absolute Ruhe. Schön. Wieder so ein Moment, wo man darüber nachdachte, was man eigentlich mehr im Leben braucht. Wir sind so dankbar, dass wir diese Zeit so wundervoll miteinander erleben durften und dürfen. Diese Reise hat bisher so manchen Blickwinkel verändert und öffnete uns die Augen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.
Diese Ruhe hat man in der Saison leider nur sehr selten, vor allem nicht, um so näher man an’s Meer kommt. Auch machte mir der Wald keinen Spass. Ich musste wirklich immer schon spätestens 6.30 Uhr losjoggen, um wenigstens halbwegs meine Ruhe zu haben, da bereits ab 7.30/8 Uhr die Leute wie die Verrückten durch den Wald pilgerten, mit all ihren Strandutensilien, um den Kampf um einen Strandplatzes zu eröffnen. Verrückt, denn wenn alles aufgestellt und besetzt war, gingen sie meist wieder zurück, auch wenn dies mitunter mind. 30 – 45 Minuten waren, um zu frühstücken. Also man sieht, nicht nur die Deutschen sind Weltmeister im Platz reservieren.
Allerdings hatten wir, seit den 10 Jahren, die wir nun immer wieder hier hier kommen, das erste Mal das Glück, die „Giglio di Mare“ (Meereslilie oder Strandlilie) in Natur zu sehen. Wunderschön.
Oder die Sonnenblumenfelder, welche ja nur im Sommer blühen.
Aber auch die Zikaden – so unendlich laut, sodass es manchmal wirklich zu viel war. Und zu tausenden konnte man die Jungtiere sehen.
Noch ein Vorteil im Hochsommer sind hier die lauschigen Abende am Pool mit Livemusik, vor allem, wenn es um Mitternacht noch immer 27 Grad hat.
Wir haben wieder sehr viele nette Menschen getroffen und kennen gelernt und auch wieder viele tolle Unternehmungen gemacht, aber darüber haben wir ja, wie bereits erwähnt, in den letzten Berichte geschrieben.
Am 12.8.20 flüchteten wir dann vom Platz, da am 15.8.20 ja DER italienische Feiertag anstand – Ferragosto. Und da hat man leider das Gefühl, dass alle Italiener irgendwie verrückt spielen. Wir lieben Italien und ihre Menschen sehr, aber das ist uns dann doch zu viel – jedenfalls auf dem Campingplatz. In dieser Zeit kommen meist die gesamten Familien zusammen und es ist so, dass auf einem Stellplatz, wo normaler Weise eine Familie mit 2-3 Kindern lebt, plötzlich ca. 10 – 15 Menschen wohnen. Für mich wäre es ja noch zu ertragen, aber für Micha ein absolutes no go.
Und so packten wir zusammen, mit dem Ziel, nach der Saison wieder zu kommen, um den Sommer bis Ende Oktober zu beenden und machten uns auf den Weg nach Lucca. Immer eine Reise wert und es gibt hier einen kleinen Stellplatz im Hinterhof einer Autowerkstatt. Nur 10 Stellplätze. Eng an eng und nur eine Dusche und 2 WC’s für alle, aber total nette Besitzer und man kann zu Fuss nach Lucca hinein. Und, das Wichtigste für mich: Ich konnte morgens gleich von hier aus auf der wunderschönen, komplett erhaltenen alten, ca. 4,5 km langen, Stadtmauer meine 2 Runden laufen. Auch hier, die 2 Tage – extrem heiss. Viel mehr will ich an dieser Stelle auch gar nicht zu unseren wunderschönen 2 Tagen in Lucca schreiben, da auch dies bereits in einem früheren Blog erledigt wurde. Wir sind einfach zu gern in dieser aussergewöhnlichen Stadt. Und wenn wir auch nur selten hier sind, so werden wir doch immer total freudig begrüsst in einem unserer Lieblingslokale „Osteria da Rosolo“. Ich glaube wir hatten bereits einmal erwähnt, dass wir uns auch vorstellen könnten, hier zu leben und daher verlassen wir nie die Toskana, ohne Lucca einen Besuch abzustatten, und sei es nur für ein paar Stunden.
Am 15.08.20 – Ferragosto – fuhren wir dann also vorerst einmal wieder nach München und warteten, dass die Ferien zu Ende gingen und verabschiedeten uns so vom italienischen Hochsommer.